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Leseschwäche kostet eine Milliarde PDF Drucken E-Mail
Aktuelles - Bildung
Dienstag, den 30. November 2010 um 22:44 Uhr

Rund 800'000 erwachsene Schweizerinnen und Schweizer lesen und schreiben nicht gut genug, um den Alltag problemlos zu bewältigen. Auch Mister Schweiz André Reithebuch. Trotzdem ist er ungemein erfolgreich. Die Zahl von 800 000 Illettristen wurde vor vier Jahren im Rahmen der internationalen ALL-Erhebung (Adult Literacy and Lifeskills) für die Schweiz errechnet. 5120 Schweizerinnen und Schweizer wurden hinsichtlich ihrer Lese- und Problemlösungskompetenz sowie der Alltagsmathematik getestet.

Im Vergleich zu den anderen Ländern, die an der Studie teilnahmen (Norwegen, Italien, USA, Kanada und die Bermudas), erzielte bei der Lesekompetenz nur Italien ein schlechteres Resultat als die Schweiz. Wichtiger Indikator für die Lesekompetenz von Kindern ist die Pisa-Studie, die alle drei Jahre durchgeführt wird. In der letzten Erhebung 2006 schnitten die Schweizer Jugendlichen im internationalen Vergleich etwas über dem Durchschnitt ab. Die nächsten Resultate zur Lesekompetenz der 15-Jährigen in der Schweiz werden im Dezember erwartet.

Laut dem Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben können an 20 Orten in der Deutschschweiz Lese- und Schreibkurse besucht werden.

Machte seine Leseschwäche öffentlich: André Reithebuch
Ein Sturm der Entrüstung fegte durch das Land, als sich der amtierende Mister Schweiz letztes Jahr zu seiner Lese- und Schreibschwäche bekannte. "Mister Schreibfehler" wurde er betitelt, einen "hirnlosen Schnösel" schimpfte man ihn und neuerdings, wegen seines fehlenden Allgemeinwissens, auch "Mister Peinlich". Für André Reithebuch ist der Grund für seine Leseschwäche klar: "Ich war in der Schule einfach zu faul. Ich wusste, dass ich Handwerker werden wollte. Ich machte also eine Milchbüechlirechnung: Strenge ich mich im Rechnen und in der Geometrie an, kann ich die schlechte Deutschnote ausgleichen", sagt der gelernte Zimmermann.
Der Alltag ist ein Hindernislauf
Reithebuch ist kein Einzelfall. 800'000 Menschen in der Schweiz können nicht gut genug lesen, um sich in unserer Gesellschaft problemlos zurechtzufinden (siehe Kasten). Ihnen fällt es schwer, ein Zugbillett am Automaten zu lösen, Abstimmungstexte zu verstehen oder eine Weiterbildung zu besuchen. Im Fachjargon nennt man die Schreib- und Leseschwäche Illettrismus und die davon Betroffenen Illettristen. Anders als Analphabeten haben Illettristen die obligatorische Schulzeit absolviert. Aber wegen ihrer tiefen Schreib- und Lesekompetenz sind sie den steigenden Anforderungen an das Lesen und Schreiben im Alltag nicht gewachsen. Viele Illettristen entwickeln Strategien, um ihre Defizite zu verbergen. Fast alle haben Helfer in der Familie oder im Freundeskreis, die zum Beispiel den nach Hause geschmuggelten Arbeitsrapport für sie ausfüllen.
Für Ursula Bänninger, Leiterin der Kurse "Lesen und Schreiben für Erwachsene" an der Kantonalen Schule für Weiterbildung Zürich, ist Reithebuch ein typischer Illettrist: "Er ist in Teilbereichen hoch leistungsfähig, und er hat einen Beruf." Illettrismus ist kein Problem sozial Randständiger oder Zugewanderter. Zwei Drittel der Betroffenen haben mehr als die Hälfte der obligatorischen Schulzeit in der Schweiz absolviert. Das Phänomen des Illettrismus mit dem Scheitern des Bildungssystems gleichzusetzen, greift aber zu kurz. Nicht nur das Bildungsniveau, auch Alter, Geschlecht, Herkunft und Sprache spielen laut neuen Studien eine Rolle. Zudem handelt es sich bei einigen Illettristen um Legastheniker, also Menschen mit einer Schwäche im Schriftspracherwerb.


Immer noch ein Tabu-Thema
Schlecht lesen oder schreiben zu können, ist nach wie vor ein Tabu-thema. Entsprechend schwierig ist es, Illettristen zu erreichen und sie zur Teilnahme an einem Kurs zu motivieren. An der Kantonalen Schule für Weiterbildung Zürich besuchen zurzeit nur 35 Personen einen Illettrismus-Kurs. Beim Versuch, die Schwellenangst abzubauen, spielt der Computer eine wichtige Rolle. "Erwachsene empfinden es oft als beschämend, einen Lese- und Schreibkurs zu besuchen, den Besuch eines Computerkurs hingegen nicht", sagt Afra Sturm von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz. Zudem sei die Aussicht, einen Computer besser bedienen zu können, motivierend. Denn viele von Lese- und Schreibschwäche Betroffene wissen den PC nicht zu bedienen, weil der Besuch eines regulären Computerkurses gute Lese- und Schreibfähigkeiten voraussetzt - ein Teufelskreis.
In den Kursen sollen Illettristen positive Schreib- und Leseerfahrungen machen - im Gegensatz zu ihrer Schulzeit. Ein Kursteilnehmer an der Kantonalen Schule für Weiterbildung Zürich etwa erinnert sich, wie der Deutschlehrer vor versammelter Klasse sein Aufsatzheft zerriss. Auch sei es wichtig, die Arbeits- und Lebenswelt der Kursbesucher zu berücksichtigen: Sie möchten zum Beispiel nach dem Kurs fähig sein, die Autoprüfung zu absolvieren, ihrem Kind eine Gutenachtgeschichte vorzulesen oder die Autobahnausfahrt nicht mehr zu verpassen.
Kinder aus Familien, in denen das geschriebene Wort keine Rolle spielt, sind besonders gefährdet, eine Lese- und Schreibschwäche zu entwickeln. Sie sollten in der Schule und der Freizeit Zugang zu Büchern erhalten, um eine Beziehung zur geschriebenen Sprache aufzubauen. Ein zweiter kritischer Zeitpunkt ist der Übergang ins Berufsleben. Oft beginne in dieser Lebensphase der Teufelskreis, in dem sich viele Illettristen befänden: "Sie erhalten aufgrund ihrer geringen Lesefähigkeiten nur einen schlechten Arbeitsplatz und vermeiden es, zu lesen und an Weiterbildungen teilzunehmen. Auf diese Weise verlieren sie ihre Lese- und Schreibkompetenz immer mehr", sagt Illettrismus-Forscherin Afra Sturm. Und André Reithebuch bestätigt: "Im Alltag brauche ich die Schriftsprache nicht oft. SMS an Kollegen schreibe ich auf Mundart."
Der Alltag ist ein Hindernislauf
Illettrismus verursacht hohe Kosten. Das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) hat errechnet, dass Illettrismus unsere Volkswirtschaft jährlich eine Milliarde Franken kostet. Auch wenn solche Zahlen mit Vorsicht aufzunehmen sind, machen sie doch das Ausmass des Problems deutlich. Auch die Betroffenen selbst bezahlen einen hohen Preis. Sie verstehen die Beipackzettel von Medikamenten oder Sicherheitshinweise nicht. Und lebenslanges Lernen, wie es in unserer Gesellschaft wichtig ist, bleibt ihnen oft verwehrt.
Nebst Spott erntete Mister Schweiz für sein öffentliches Bekenntnis auch Lob. Es sei ein Schritt zur dringend nötigen Sensibilisierung der Gesellschaft, sagen Experten. Sie betonen, dass es sich bei Illettristen eben nicht um "hirnlose Schnösel" handelt, sondern oftmals um Menschen mit hoher Kompetenz in anderen Bereichen. Reithebuch war als Mister Schweiz sogar überaus erfolgreich: Der 23-jährige Glarner hat in seinem Amtsjahr fast eine halbe Million Franken verdient, so viel wie kein Mister vor ihm. Und im Sommer macht er das Gleitschirmbrevet. (Tages-Anzeiger

Kommentar:

Womit ein weiteres Mal bewiesen ist, dass Schönheit nichts mit Intelligenz zu tun haben muss . . .

 

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