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Aktuelles - Gesundheitswesen
Sonntag, den 15. November 2009 um 19:43 Uhr

Der Patriarch des drittgrössten Schweizer Krankenkassenverbunds schottet "seine" Kasse ab und setzt auf wenige Vertraute: So sitzt Sohn Olivier im Kader und in Stiftungsräten. Jetzt regt sich Widerstand gegen Pierre-Marcel Revaz' Geschäftsgebaren. Am Klingelbord des Wohnhauses hinter der Altstadt von Martigny VS prangt der Name von Pierre-Marcel Revaz (56). Doch der Patriarch der Groupe Mutuel wohnt nicht mehr dort. Hier logiert sein Sohn, Olivier Revaz (28), dessen Name sich am Briefkasten findet.
Dem Jungmanager gehört seit Mai die Eigentumswohnung - eine Schenkung der Eltern. Denn Olivier Revaz wohnt nicht nur in Martigny, er arbeitet auch dort. Er zählt zum Kader der Groupe Mutuel, dem Imperium, das sein Vater regiert. Olivier Revaz sitzt seit einigen Monaten auch in den Stiftungsräten der Gruppenkassen Hermes, Universa und La Caisse Vaudoise.

Mit Olivier Revaz stösst ein Neuer in den Kreis der Groupe-Mutuel-Mächtigen. Bahnt sich hier die Erbfolge an? Vater Pierre-Marcel Revaz hat mit der 16 Versicherer zählenden Gruppe einen gegen aussen perfekt abgeschotteten Verbund aufgebaut. Der Patriarch sitzt in allen 16 Stiftungen persönlich: elf präsidiert er und in fünf ist er Vizepräsident (siehe Grafik). Obendrein ist er Präsident des Verwaltungsrats (VR) der Groupe Mutuel. Der Verein ist das Dach über den 16 Stiftungen. Er führt die Geschäfte der Kassen. Und Revaz ist letztlich auch operativer Chef der Gruppe.

Patriarch Pierre-Marcel Revaz redet als Mitglied des Entschädigungsausschusses des Verwaltungsrates natürlich auch mit, wenn es um die Löhne geht. Auch bei seinem? Er soll "einen Franken pro Versicherten" - also 875000 Franken - verdienen. Dieses Walliser Bonmot haben Revaz' Sprecher stets bestritten.

Davon belaufen sich allein Revaz' Entschädigungen für die Stiftungsmandate auf über 100000 Franken. Stiftungsräte mittelgrosser Mutuel-Versicherer wie Universa erhalten je nach Funktion 5000 bis 10000 Franken im Jahr, so ein Mitglied. Bei grösseren Kassen seien es 10000 bis 15000 Franken.

Von Beginn seiner Tätigkeit bei der Groupe Mutuel an setzt Revaz auf wenige Vertraute wie Pierre-Angel Piasenta, Ex-Gemeindepräsident von Salvan oberhalb von Martigny. Aus diesem Bergdorf stammen auch die Revaz. Pierre-Marcels Grossvater führte hier ein Café und war Bergführer. Daniel Overnay, Vizepräsident der Groupe Mutuel, kommt aus Vétroz, wo der beachtliche Familiensitz der Revaz steht.

Die undurchschaubare Struktur der Groupe Mutuel beschäftigte auch schon das für die Kassen zuständige Innendepartement. Dort soll ein Papier existieren, welches die nicht existierende Trennung von Aufsicht und Geschäftsführung der Gruppe und die Auslagerung der Geschäftsführung der Kassen an die Groupe Mutuel als unzulässig taxiere. Dies ist aus gut unterrichteter Quelle aus dem Mutuel-Umfeld zu erfahren. Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) wollte dies niemand kommentieren.

Auch Tomas Poledna, Titularprofessor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Zürich, hält die Abtretung "zentraler Elemente der Geschäftsleitung an einen Dritten für rechtlich unzulässig". Dies schrieb er schon 2002 in einem Gutachten für die Kassenaufsicht.

Der Mutuel-Chef setzt bei seinen Kassen auf die Rechtsform der Stiftung. Diese kennen nur ein Gremium - den sich selbst konstituierenden Stiftungsrat. Deren Mitglieder sollten die Geschäftsleitung durch die Groupe Mutuel kontrollieren. Doch dieser Verein wird vom gleichen Personenkreis beherrscht. Poledna: "Damit fehlt die nötige Trennung von Aufsicht und Geschäftsleitung. Das widerspricht den Regeln einer guten Geschäftsführung."

SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga will ebenfalls wissen, ob diese personellen Verflechtungen nicht zentrale Unternehmensregeln punkto Aufsicht und der Kontrolle verletzen. Deshalb reicht sie eine entsprechende parlamentarische Anfrage beim BAG ein.

Auch bei der Geschäftsführung riecht es nach Vetterliwirtschaft. Seit Jahren entwickeln Spezialisten ein neues, zentrales Informatiksystem für die Gruppe. Investitionsrahmen: 100 Millionen Franken. Laut Mutuel-Geschäftsbericht sollte das Projekt "Nova" Ende 2009 eingeführt sein. Doch zurzeit werden nur Daten einiger Tausend Kunden auf der Plattform abgewickelt, so Insider.

Von diesem Projekt profitiert ein weiterer Verwandter des Mutuel-Patriarchen: Cousin René Revaz, Chef des Genfer Informatikunternehmens Clio, liefert Hardware und Personal. Insgesamt soll ihm Pierre-Marcel Revaz Aufträge in Millionenhöhe zuschanzen.

So hat die Clio auch die Website serviDirect.com des Versicherungsbrokers Stridor SA entwickelt. Auf der Internetplattform können Kunden Grundversicherung und Zusatzversicherungen online abschliessen. Partner der Stridor sind die Assura und die Groupe Mutuel. Letztere habe Stridor den Kontakt zur Clio vermittelt. Die Informatikfirma sei bereits für die Groupe Mutuel tätig gewesen, wie die Sprecherin der Stridor bestätigt.

Und was sagen Patriarch Revaz, sein Sohn und René Revaz zu kritischen Fragen von SonntagsBlick? Nichts. Mutuel-Sprecher Yves Seydoux: "Ihre Fragen betreffen entweder die Privatsphäre eines Mitarbeiters oder interne Organisationsstrukturen und Massnahmen eines Projekts in unserem Unternehmen. Diese sind für die Öffentlichkeit klar nicht relevant. Darum verzichte ich auf jegliche Antwort oder Kommentar."

Die 875000 Kunden, die für eine soziale Versicherung hohe Prämien zahlen, dürften heftig widersprechen.

 

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